Dr. Hippolyt Guarinoni

Dr. Hippolyt GuarinoniDr. Hippolyt Guarinoni ist Gründer, Erbauer und größter Wohltäter der Karlskirche. Er lebte zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Tirol.

Als Arzt hätte er am Kaiserhof in Prag eine glänzende Karriere vor sich gehabt, doch er wählte Hall als Aufenthaltsort, wo er Stadtphysikus und Arzt im adeligen Damenstift wurde. In diesem Stift lebten die Erzherzoginnen Christierna und Eleonora, die Schwestern Kaiser Ferdinands II. Weiters galt Guarinoni aber auch als Universalgenie, der sich in vielen Disziplinen eine großes Wissen aneignete: Botanik, Theologie, Malerei, Mathematik, Literatur, Kultur u. v. m.

Besonders intensiv setzte er sich mit medizinischen und hygienischen Problemen seiner Zeit auseinander. So gab er etwa ein Werk zur Bekämpfung verschiedener Seuchen heraus, "Pestilenz Quardien". 1610 erschien seine zeit- und sittengeschichtliche Schrift mit dem Titel "Grewel der Verwüstung menschlichen Geschlechts".

Geboren wurde Guarinoni 1571 in der damals deutschen Stadt Trient. Sein Vater war Hofmedikus bei Kaiser Maximilian II. und später bei Kaiser Rudolf II. in Prag. Angeblich soll der kleine Hippolyt zur Erziehung an den Hof des Erzbischofs von Mailand, Karl Borromäus, gegeben worden Karlskirche Volders (Fresko im Vorraum)sein. Der Überlieferung nach soll der Kardinal ihm auch gesagt haben, dass er später einmal eine Kirche ihm zu Ehren erbauen werde. Diese Szene sieht man an der Decke des Kirchenvorraums. Im Alter von acht Jahren besuchte der Knabe die Lateinschule der Jesuiten in Prag. Später studierte er an der Universität von Padua und beendete dort seine Studien mit dem doppelten Doktorat der Medizin und der freien Künste. Bald darauf ging er nach Hall.

1654 starb der berühmte Mann kurz vor der Fertigstellung seiner Kirche.

Guarinoni gilt auch als vehementer Verfechter der Gegenreformation. Er erfand den antijüdischen Anderl-von-Rinn-Kult. Darin wird behauptet, dass durchziehende Juden in Rinn bei Tulfes ein Kind getötet hätten. Der Vatikan erkannte Anderl von Rinn als Märtyrer an. Der Innsbrucker Bischof Paulus Rusch strich 1953 den Festtag des "Anderl von Rinn" aus dem kirchlichen Kalender. 1994 verbot sein Nachfolger Bischof Reinhold Stecher die Wallfahrten nach Judenstein und überhaupt den Kult. Guarinoni stiftete mit dieser Legende sehr viel Unfrieden.